Denn erstens….

17. Juni 2007

…. dauert es länger, und zweitens als man denkt. Das gilt nicht nur in Cuba, es gilt auch in der Schweiz. Mindestens bei mir, und mindestens für die versprochenen Bilder. Da rief doch der Urwald sprich unser Garten, der Jetlag nahm kein Ende, die gegen 1′000 Fotos wollten von der HD auf den PC kopiert (wer erinnert sich?) und auf eine halbwegs zumutbare Menge reduziert werden, undundund. Aber jetzt ist eine Auswahl da, endlich: Fotoalbum
Womit sich hoffentlich auch euer Cuba-Bild etwas abrundet. Mein Bild bleibt: Es war eine wunderbare Zeit, Cuba und da vor allem seine Menschen haben mich total beeindruckt. Ich danke allen, die einen Beitrag zum Gelingen geleistet haben, also z.B. - sorry, ohne Anspruch auf Vollständigkeit - meinen Mitreisenden (Ruth, Antoinette und Marianne), natürlich allen Gastgebern (auch wenn die das kaum je sehen bzw. übersetzt bekommen werden), Dani für seine technische Unterstützung und den Blog-Kommentatoren.

Adiós, Cuba, y hasta otra vez!

Crucigramas

2. Juni 2007

Vor unserem Aufbruch zur letzten Cuba-Woche hat Gloria, ganz Profesora, den drei Frauen Crucigramas als Haus- oder eben Reise-Aufgabe mitgegeben. Das sind Kreuzworträtsel, natürlich nicht zu vergleichen mit denen von Trudy Müller-Bosshard oder Vreni Schawalder, aber dafür spanisch und hilfreich, wenn es um den Wortschatz geht.

Oder wenn es auf der Reise mal langweilig wird. In Cuba hatte niemand Verwendung dafür, aber auf dem Rückweg in die Schweiz hätten wir sie durchaus lösen können. La Habana - Paris verlief (noch) ruhig, schlafen konnte ich allerdings nicht. Überpünktliche Ankunft in Paris (CDG2), dann wars vorbei mit der Ruhe: Warten, warten, reklamieren, vertrösten lassen, warten, Anschlussflug weg, nächste Flüge ausgebucht, endlich fliegen, Koffer in Paris zurückgeblieben, Koffer doch angekommen, halt die ganze Palette. Null Service in Paris, aber freundliches Lost & Found in Kloten.

Wir sind also wieder zu Hause, haben ausgepackt, spüren den Jetlag immer noch. Und ich kämpfe mit der modernen Technik. Die mobile Harddisk hat sich nicht sonderlich bewährt, Kopieren brauchte fast immer zig Anläufe (immer die gleiche informative Meldung: Error), ich traute dem Ganzen nicht recht und konnte die HD in Cuba auch nicht prüfen. So habe ich jetzt 13 GB Daten auf der HD mit vielen Redundanzen, und suche noch nach dem besten Weg, alle Fotos genau ein Mal auf den PC zu bekommen. Wenn das so weit ist, kommen auch weitere Bilder aufs Netz - versprochen.

Hasta pronto

27. Mai 2007

Da gibts unerwarteterweise doch noch einen kurzen Beitrag vor unserem Rueckflug. Zwischen vor- und letztem Abschied von Gloria und Silvia reicht die Zeit fuer einen weiteren Bummel durch La Habana vieja und eben eine halbe Stunde im Hotel Inglaterra.

Auch die letzten Tage waren sehr intensiv, mit wieder erstklassigen casas particulares und durchzogenen Hotels. Ich wuerde ein anderes Mal ganz auf Hotels verzichten. Die waren zwar immer OK, sauber, akzeptable bis luxurioese Infrastruktur, aber vergleichsweise teuer und doch weiter weg von persoenlichen Kontakten (selbst mit unseren Spanischkenntnissen immer wieder interessant). Und vor allem die desayunos waren nicht zu vergleichen.
Besucht haben wir Cienfuegos (noch einmal mit Langusten), Trinidad (mir zu touristisch, da haben wir zudem einen von wenigen Versuchen erlebt, uns uebers Ohr zu hauen), Sancti Spiritus (herzlichste Gruesse von dort an Silvia und Pablo, da haben doch 4 Augen geleuchtet) und Remedios, von dort in einem Rutsch und mit dem letzten Tropfen im Tank zurueck nach La Habana.

Kurz vor Trinidad habe ich meine 2. Busse kassiert, ich kanns selber nicht glauben. Natuerlich wieder eine reine Falle, wenigstens nicht nur fuer Touristen, auch Einheimische mussten dran glauben. Aber das Schoene dran ist, dass mich beide Bussen nichts kosten (ich hoffs jetzt wenigstens). Weil die Patruilla keinen Betrag genannt, sondern nur alle Daten notiert und einen Hinweis auf den Mietvertrag gesetzt hat, weiss der arme Vermieter nicht, was er mir nun belasten soll. Und weil ich das Auto Samstagabend zurueckgebe, wo der Vermieter doch endlich in den Ausgang moechte, kann ers auch nicht herausfinden….

Na denn, fuer filosofische Betrachtungen bleibt jetzt keine Zeit, kommen dann von zu Hause aus. Qui sas.

Bis bald in der Schweiz

Darwin lebt

24. Mai 2007

Mit meinem letzten Beitrag habe ich mir doch ein schlechtes Gewissen eingebrockt, das ich ganz (nun ja, ziemlich) schnell beruhigen muss. Das Ding mit dem Ueberfall lief so ab:

Sonntag, 20.5., wir kommen von der Woche in Cubas Westen zurueck nach La Habana. Gloria und Silvia lassen sich, weil sich unser Aufenthalt dem Ende naehert, zu einem Drink im Hotel Nacional ueberreden. Top-Adresse v.a. fuer Gloria, 1930 eroeffnetes und recht original erhaltenes Nobelhotel, mit vielen beruehmten Gaesten und auch etwas Mafia-Vergangenheit, aber bestenfalls maessigen Drinks. Wir quetschen uns also zu 6 in unseren Hiunday (Hyundai? Hyunday?), weil kein Cubaner zu Fuss geht, wenn ein Auto vor der Tuer steht. Fuer Silvia ist das uebrigens der 1. Besuch seit 34 Jahren, sie fragt bei jedem Drink auf der Karte zuerst nach dem Preis - irgendwie nachvollziehbar, denn die Rechnung fuer 5 Drinks plus 1 Mineral (fuer den Chauffeur) entspricht fast 3 offiziellen cubanischen Monatsloehnen bzw. -renten.

So nach 6 p.m. treten wir den Rueckweg an, weil Silvia doch unser Nachtessen noch fertig stellen muss. Die Schweizerinnen gehen zu Fuss, den Malecon entlang. Wie ueblich werden sie unterwegs angesprochen, gehen aber nicht darauf ein, und achten auch nicht weiter auf die 3 jungen Maenner. Unmittelbar vor Glorias Haus tauchen sie wieder auf, von hinten. Einer packt das Schlusslicht, eben Ruth, am Arm und reisst ihr das Goldkettchen vom Hals. Ruth laesst sich das nicht bieten, packt das Ketteli und hat das bessere Ende in Haenden (einzig ein Teil der Schliesse fehlt, findet sich aber am anderen Morgen auf dem Trottoir), worauf die Drei seelenruhig und gar nicht pressiert abmarschieren. Marianne und Antoinette bekommen vom Ganzen erst gar nichts mit. Bei Ruth kommt der Schock erst spaeter, dazu die Ernuechterung darueber, dass auch in Cuba das Paradies noch nicht eingekehrt und die friedliche Stimmung nicht absolut ist. Der Kampf ums schnelle Geld bzw. eben Gold wird auch hier ausgetragen.

Sehr sichtbar ist dieser Darwin’sche Kampf auch in Trinidad, wo wir derzeit (Di/Mi) gerade logieren: Wir haben unsere Casa particular (uebrigens ein weiteres Mal sehr empfehlenswert, wir haben bisher keine einzige schlechte Erfahrung mit einer Unterkunft gemacht, Adressen geben wir gerne weiter) telefonisch reserviert, wissen uns gemaess Plan in deren unmittelbaren Naehe, finden sie aber nicht. Wie ueblich sind die Strassen hoechstens zur Haelfte beschildert, oder dann mit einem alten, nicht mehr gueltigen Namen. Nicht einmal die Polizisten koennen (wollen?) weiter helfen. Da mischt sich ein Halbwuechsiger in die Diskussion unter Einheimischen ein, die beraten wo denn nun unsere Calle Echerri sei. Er sei der Sohn “unserer” Mercedes Cano Gonzalez (den Namen hat er wohl im Gespraech herausgefiltert) und habe uns schon erwartet. Leider seien unsere Zimmer nicht frei geworden, er fuehre uns zu einer Ersatzunterkunft. Ist natuerlich glatt gelogen. Wir stellen das Auto ab, suchen und finden zu Fuss, und selbstverstaendlich hat unsere Reservation geklappt…

Das zu Darwin. Eh ichs ein weiteres Mal vergesse: Gruesse an alle Blog-Leser nicht von Darwin, sondern von Ruth, Antoinette und Marianne

Eine Woche unterwegs

22. Mai 2007

Nicht voellig unerwartet ging da halt eine Woche ohne Blog-Eintrag vorbei. Manchmal haetts zwar Internetcafes gegeben, die waren aber zur falschen Zeit offen oder wir waren anders programmiert, manchmal war - ohne Uebertreibung - im Umkreis von 60 km kein Internetanschluss sichtbar. Ich verlasse drum die bisherige Themenzentrierung und rekapituliere in Stichworten die letzte Woche. Themen haette ich schon noch verfuegbar, ein andermal.

Montag bis Mittwoch: Verschieben via Las Terrazas, erstes Biosphaerenreservat Cubas mit wunderschoener Natur, nach Vinales. Erst fuer 2 Naechte, weils so schoen war um 1 Nacht verlaengert. Ausreiten - aufpassen, Scheiwillers, ich bin echt geritten -, Besuch bei einem Tabakbauern. Schwimmen in einem Seelein, wo unser Fuehrer (echter Cowboy, konnte sicher nicht schwimmen) Angst um uns bekam, hat sich wohl ausgemalt, wie er uns retten wuerde. Karsthoehle. Privater botanischer Garten, traumhaft. Busse kassiert wegen Ueberholens an unuebersichtlicher Stelle, ehrlich total ungerechtfertigt, war in einer Linkskurve mit mindestens 1 km freier Sicht, leider hat die Polizei genau in dieser Kurve ihr Quartier, und die muss auch von etwas leben. Und und und…

Donnerstag - Freitag: Maria La Gorda, Traumhotelanlage am Karibikstrand, weisser Sand mit Palmen, Fische en masse. 54 Zimmer auf etwa 8 Haeuschen verteilt, also kein Hotelkasten. Ich wiederhole mich: Traumhaft. Vorher allerdings 2. kleiner Schock (nach der Busse), weil wir eine Dorfschule besichtigen und dabei als echte Gutmenschen auch etwas Material zuruecklassen moechten. Geht nicht, kann nur der Ober-Jefe bewilligen, und der sitzt 21 km entfernt, ohne Telefon.

Samstag: Zurueck nach Vinales, um die lange Strecke nach La Habana etwas ertraeglicher zu machen. Dritter kleiner Schock, nach der Busse und der Schule, weil wir in einem kleinen Dorf extrem unfreundlich bis feindselig empfangen werden, dabei wollten wir nur einen Kaffee trinken, um meinem Kopfweh abzuhelfen. Grausame Strassen, als Hauptstrasse markiert, aber nicht einmal ansatzweise geteert.

Sonntag: Zurueck zu Gloria und Silvia, diesmal weit gehend via Autopista. Dass Ruth in Habana ueberfallen wurde, beschreibe ich spaeter, muss ja irgendwie die Spannung aufrecht erhalten. Nur so viel: Nix passiert, war nur ein Versuch, der an Ruths Geistesgegenwart scheiterte. Alle xund und zwaeg.

¡Hasta luego!

Murciélagos und Pajaros

12. Mai 2007

Weil beim Eindunkeln vor Glorias Balkon die Murcielagos = Fledermaeuse umherzacken, suche ich doch einmal zusammen, was mir ans Tieren so untergekommen ist.

Fledermaeuse gibt es in Cuba sehr viele, auch wenn Clara behauptet, noch nie welche gesehen zu haben. Hier im Vedado kann ich jedenfalls jeden Abend viele und ganz unterschiedlich grosse beobachten.

Voegel sieht und - vor allem - hoert man auch in der Stadt ueberall, u.a. habe ich schon 2 mal Kolibiris bewundert. Vogelstimmen haben mich anfaenglich ganz schoen verwirrt. In den Calles wird man mit Zischlauten, “amigo”, “my friend” oder eben mit Pfiffen auf halbseidene Angebote wie Taxis, Zigarren etc. aufmerksam gemacht. Je nach Art des Angebots halt auch vom Fenster im 1. Stock aus. Und da dauerte es einige Zeit, bis ich realisierte, dass gar nicht alle Pfiffe mir galten. Zu den - nach meinen Aesthetikbegriffen haesslichen - Voegeln gehoeren auch die Geier, die um das Monumento auf der Plaza de la Revolucion kreisen

Fliegende Voegel heissen pajaros (mit accento auf dem 1. a, ich weiss). Daneben gibt es aber auch welche, die nicht wirklich fliegen koennen, z.B. Huehner. Auch das gibt es im 2.5-Mio-Dorf La Habana, und nicht wenige. Sowohl in La Vibora als auch jetzt im Vedado hoere ich immer wieder Gueggel.

An Haustieren gibts ansonsten wenig Katzen, dafuer umso mehr Hunde. Fast nur kleine, so in Dackelgroesse, und nie aggressiv. Tagsueber doesen sie irgendwo und nehmen keinerlei Notiz von dir. Abends sind sie eingesperrt und markieren ihr Revier mit Laerm - um richtig zu bellen sind die meisten zu klein.

Auch Pferde gibts, nicht nur fuer die Touristenkutschen, hie und da sieht man sie Transportkarren ziehen und fuehlt sich noch mehr auf dem Land. La Habana ist wirklich (auch) eine fiesengrosse Ansammlung von Doerfern.

Zur Fauna gehoert auch Ungeziefer. Mosquitos gabs hier bisher kaum, das koennte sich auf unserer weiteren Reise noch aendern. Jedenfalls ist die aedes aegypti offenbar recht gefuerchtet. Darum hat die Regierung eigene Brigaden aus Jungkommunisten aufgestellt, die mit viel Gift um sich spritzen - was nicht nur den Mosquitos schlecht bekommt, sondern z.B. auch den Eidechsen. Uniform-Tshirts dieser Brigaden und Giftspritzen sieht man gelegentlich, ebenso Plakate mit Verhaltensanweisungen. Von den beruechtigten cucarachas habe ich bisher nur reden gehoert.

So viel zu den Viechern. Dann noch etwas Aktuelleres: Seit Dienstag Nacht bin ich nicht mehr allein. Ziemlich planmaessig, mit nur 3 Std. Verspaetung, sind Ruth, Antoinette und Marianne dazu gestossen (auch hier war die Verspaetung mitnichten den Cubanern anzulasten, sondern einer AF-Maschine, die in Paris startete, dann aber wegen technischer Probleme umkehren musste). Damit hat sich einiges geaendert. In der Gruppe sieht und erlebt man Anderes denn als Einzelgaenger, das gefaellt mir. Anderseits habe ich als Reisefuehrer weniger Zeit um z.B. zu bloggen. Dazu kommt, dass wir uebermorgen mit einem Mietwagen gen Westen aufbrechen, wo die Internetzugaenge sicher nicht dichter gestreut sind als hier. Langer Rede kurzer Sinn: Es wird in den naechsten 2 Wochen u.U. wenig neue Blog-Beitraege und wenig Feedback auf eure Kommentare geben. Dann gilt halt wieder die fruehere Maxime: No news are good news. ¡Hasta luego!

neue Fotos

8. Mai 2007

Tag der Arbeit
Tag der Arbeit

Weitere neue Fotos im Fotoalbum.

Cubanas y cubanos

8. Mai 2007

Bigi hat mich in einem Kommentar gefragt, wie denn nun die Cubaner wirklich seien. Mit meiner inzwischen umfassenden Erfahrung, perfekten Cubano-Spanisch-Kenntnissen und nicht zuletzt angeborenen Kontaktfreude bin ich natuerlich sowohl praedestiniert als auch gerne bereit fuer eine gueltige Charakterisierung. Nein - ich weiss schon, dass Bigi das nicht so gemeint hat, und ich werde auch nicht so antworten. Ich werde aber mit einigen Beispielen verdeutlichen, wass ich denn nun von den Cubanern halte.

Beispiel 1: Morten, ein junger Daene, schneit bei Gloria herein. Die Adresse hat er von einer Cousine, deren Cousine wiederum mit einem Cubaner verheiratet ist, und er sucht eine billige Unterkunft. Gloria raeumt umgehend ihr Zimmer und schlaeft die naechsten Naechte auf dem Feldbett im Salon. Nach 3 Naechten zieht Morten weiter. Er hat inzwischen einen cubanischen Oek.-Studenten kennengelernt, dessen Schwester in Vinales wohnt, nun reisen die beiden dorthin. Was bedeutet das? Herzliche Aufnahme und selbstverstaendliche Gastfreundschaft oder Geschaeftstuechtigkeit? Es muss Gastfreundschaft sein, denn kassieren duerfen weder Gloria noch die Schwester in Vinales, das waere ja illegal…

Beispiel 2: Ich stelle mich in einer cola hinten an und werde umgehend angesprochen. Das faengt an mit ¡que calor! - ha, hab ich doch eines dieser verflixten Sonderzeichen auf der Tastatur gefunden! - woher kommst du, was machst du hier und wie lange bleibst du etc etc etc. Offenheit? Spontanes Interesse? Neugier? Abtasten ob da etwas herauszuholen ist?

Beispiel 3: Ich muss mein Visum verlaengern, das ist nur 30 Tage gueltig. Dazu muss ich eine (legale) Unterkunft fuer mind. 2 Tage bzw. Naechte nachweisen. Jetzt wirds allerdings heikel, ich verzichte auf weitere Schilderungen, will ja niemand in Verlegenheit bringen. Nur soviel: Geklappt hats natuerlich. Und ich bin mittlerweile fest ueberzeugt, dass mindestens alle Habaneros - gelegentlich oder gewohnheitsmaessig - sagen wir am Rande der Legalitaet wirtschaften. Was allerdings auch fuer viele Schweizer gilt (Steuersparen, Fuersorgegelder, Schwarzfahren, illegale Software etc). Wirtschaftskriminalitaet oder Ueberlebenssicherung?

Beispiel 4: Es ist 3 Uhr nachmittags, ich sitze in der Spanisch-Stunde und soll unregelmaessige Verben bueffeln. Bei 33º geht das ganz schlecht bis ueberhaupt nicht. Bin ich faul oder ist das Klima staerker als ich?

Beispiel 5: Silvia muss fuer einen Untersuch ins Spital aund kommt aufgebracht zurueck. Heruntergekommenes Spital, lange Wartezeiten, inkompetenter Arzt. Stellt Silvia nun das cubanische Gesundheitssystem in Frage? Natuerlich nicht, das ist doch eines der Aushaengeschilder des neuen Cuba. Haengt sie die Unzulaenglichkeiten Einzelnen an? Klar doch, den zentralen Planern, dem behandelnden Arzt.

Genug gebeispielt, oder beigespielt, Rest in Stichworten:

Ja, die Cubaner sind stolz auf ihren Staat, die Revolution und ihre Errungenschaften. Nicht ganz unberechtigt, denke ich, bei allen Schwaechen.

Nein, mit Kritik halten sie sich nicht zurueck, allerdings habe ich nie Fundamentalkritik gehoert. Und ich halte mich meinerseits mit Kritik zurueck, ich will ihren Stolz nicht verletzen.

Ja, viele Dissidente koennen sich nicht aeussern, die sitzen (hoere ich drum keine Fundamentalkritik?)

Nein, nicht alle Cubaner wollen auswandern, viele bleiben, obwohl sie problemlos gehen koennten. Es gibt aber schon welche, die das Paradies ueberall ausser in Cuba sehen und unbedingt raus wollen. Z.B junge Frauen, die sich an den erstbesten Auslaender haengen und hoffen, dass er sie heiratet und mitnimmt.

Ja, man hoert viel Musik, allerdings auch viel Ghettoblaster. Und laut ists auch, das hat aber auch damit zu tun, dass man hier ziemlich im Freien lebt.

Nein, ich habe nicht tanzen gelernt. Das gehoert zwar nicht wirklich hierhin, passt aber so schoen ins Ja-Nein-Schema….

Fotos!

4. Mai 2007

Blick von Claritas Balkon
Blick von Claritas Balkon

Oldtimer

Aufstieg zu Ana
Aufstieg zu Ana

Strassenszene

Hinweis zu den Fotos: Weil die Bildbearbeitung auf dem PC in Cuba wohl nicht so einfach ist machen die Fotos einen Umweg über mich (Dani). Die Fotos in Grossformat gibts im Fotoalbum, welches dann von Kurt später sicher noch stark gefüllt wird.

Comidas y Colas

4. Mai 2007

Blog-Neulinge sind gebeten, bis ganz zum Schluss zu lesen, vielleicht hilft das dem einen oder anderen…

Zunaechst aber etwas fuer alle: Wenn das so weiter geht, kennt mich nach 7 Wochen Cuba keiner mehr zu Hause. Einen Rettungsring trage ich jedenfalls bereits mit mir herum, hier zur Erklaerung 2 der heutigen Menus.

Morgenessen: Fruchtsaft, Wasser, Kaffee, Industriebrot, Butter, Mango-Konfi, Kaese, Wurst, Yoghurt, eine kleine Banane, Toronja (eine Art Grapefruit).

Mittagessen, alles gleichzeitig aufgetischt: Suppe (mit garbanzes, etwas Fleisch, Bohnen etc., sehr gehaltvoll), fritierte Bananenscheiben, Salat (Rueebli, Tomaten, Zwiebeln, Gurken, Pimiento, wuerde eigentlich schon reichen), Reis mit Zwiebeln und wieder etwas Fleisch, gebratener Schinken mit Zwiebeln und Papas =
Kartoffeln, als Dessert in Zuckersirup eingelegte Scheiben Toronja, Wasser, Mangosaft, Kaffee.

Das schreibt sich jetzt so leicht, ist es realiter aber gar nicht. Weder fuer mich noch fuer Silvia, die die Zutaten ja nicht nur kochen, sondern vorher noch beschaffen musste. Und dazu musste sie mit Sicherheit mehr als nur einmal anstehen, in einer Schlange, einer cola eben. Das ist da, wo man als neu Hinzukommender fragt: ¿Quién es el último? Gell, Antoinette, den Ausdruck kennst du? Womit wir beim 2. Thema waeren.

Colas sehe ich jeden Tag. Nicht in den CUC-Laeden und Restaurants, dafuer ueberall dort, wo die Cubaner einkaufen, mit pesos cubanos. Also im lokalen mercado, an der feria, im Dispensario, bei jedem Glace-Stand, bei der Bushaltestelle, einfach ueberall und immer. Geduldig und diszipliniert. Wehe, es will sich eineR vordraengen. Vor der Heladeria Coppelia sind die Extreme zu sehen: Touristen marschieren einfach rein, sie haben reservierte Plaetze. Die Cubanos warten in langen colas, immerhin am Schatten, schwatzen und flirten und warten…

Am 30. April habe auch ich die cola hautnah kennengelernt, ebenso Relikte realsozialistischer Unfreundlichkeit. Ich will Geld wechseln, um Gloria fuer die 1. Woche bezahlen zu koennen. Auf zur naechsten Bank, an der Linea. 2 lange Schlangen, vermutlich weil heute Monatsletzter ist, da haette ich vorher dran denken koennen. Natuerlich stehe ich erst am falschen Ort an, dort wo nur moneda nacional kursiert. Ich merks noch rechtzeitig, frage nach wo ich Traveller Cheques einloesen koenne und werde umdirigiert. Nach 10 Minuten in der neuen Schlange fragt mich eine Angestellte nach meinem Begehr und bescheidet trocken, dass ich hier keine Checks einloesen koenne. Dazu muesse ich mich zum Banco financiero intrnacional bemuehen, esq 1ra y B. Dann also weiter. Die Adresse stimmt (nicht selbstverstaendlich), allerdings ist von aussen keine Bank erkennbar. Immerhin auch hier eine kleine cola von Leuten mit Checks und so in den Haenden. Ich reihe mich ein, draussen, weil man hier nur einzeln vorgelassen wird. Und als ich an der Reihe bin bzw. waere, wird mir beschieden, dass die Bank jetzt schliesse, ich solle doch am Mittwoch wieder kommen. Ob ich mir das schadenfreudige Grinsen nur einbilde?

Und hier noch der Tipp zur Funktionsweise von Kommentaren - fuer Blog-Novizen: Wenn du einen Kommentar schreibst und abschickst, siehst du den ab sofort und bis auf Weiteres nicht mehr. Er ist aber nicht etwa im Datennirwana gelandet, sondern bei mir. Ich kann den lesen und entscheiden, was damit passieren soll. Normalerweise gebe ich den frei, damit wird er ab sofort und fuer alle unter den Kommentaren sichtbar. Sollte er Unziemliches (Spam, Rassistisches, Obszoenes, allzu Persoenliches etc.) enthalten, wuerde ich ihn halt dem Papierkorb uebergeben. Anderweitig bearbeitet wird er von mir nicht. Klar?